Mitteilung der Kommission an das Europäische Parlament, den Rat und den Europäischen Wirtschafts- und Sozialausschuss - Umsetzung der Partnerschaft für Wachstum und Beschäftigung : Europa soll auf dem Gebiet der sozialen Verantwortung der Unternehmen führend werden /* KOM/2006/0136 endg. */

[pic] | KOMMISSION DER EUROPÄISCHEN GEMEINSCHAFTEN |

Brüssel, den 22.3.2006

KOM(2006) 136 endgültig

MITTEILUNG DER KOMMISSION AN DAS EUROPÄISCHE PARLAMENT, DEN RAT UND DEN EUROPÄISCHEN WIRTSCHAFTS- UND SOZIALAUSSCHUSS

UMSETZUNG DER PARTNERSCHAFT FÜR WACHSTUM UND BESCHÄFTIGUNG: EUROPA SOLL AUF DEM GEBIET DER SOZIALEN VERANTWORTUNG DER UNTERNEHMEN FÜHREND WERDEN

MITTEILUNG DER KOMMISSION AN DAS EUROPÄISCHE PARLAMENT, DEN RAT UND DEN EUROPÄISCHEN WIRTSCHAFTS- UND SOZIALAUSSCHUSS

UMSETZUNG DER PARTNERSCHAFT FÜR WACHSTUM UND BESCHÄFTIGUNG:EUROPA SOLL AUF DEM GEBIET DERSOZIALEN VERANTWORTUNG DER UNTERNEHMEN FÜHREND WERDEN

1. EINLEITUNG

Soziale Verantwortung der Unternehmen (Corporate Social Responsibility - CSR) ist ein Konzept, das den Unternehmen als Grundlage dient, um auf freiwilliger Basis soziale und ökologische Belange in ihre Unternehmenstätigkeit und in die Beziehungen zu den Stakeholdern zu integrieren[1]. Dabei beschließen die Unternehmen, über gesetzliche Mindestanforderungen und auf tarifvertraglichen Regelungen beruhende Verpflichtungen hinauszugehen, um gesellschaftlichen Notwendigkeiten Rechnung zu tragen. Indem sie ihrer sozialen Verantwortung gerecht werden, können Unternehmen aller Größen in Zusammenarbeit mit ihren Stakeholdern dazu beitragen, dass wirtschaftliche, soziale und ökologische Zielsetzungen miteinander in Einklang gebracht werden. CSR ist darum zu einem zunehmend wichtigen Konzept sowohl auf globaler Ebene als auch innerhalb der EU und zu einem Thema in der Diskussion über Globalisierung, Wettbewerbsfähigkeit und Nachhaltigkeit geworden. In Europa spiegelt sich in der Förderung von CSR das Bedürfnis wider, gemeinsame Werte zu verteidigen und den Sinn für Solidarität und Zusammenhalt zu stärken.

Seit dem Ende des Kalten Krieges hat sich die Marktwirtschaft in den meisten Teilen der Welt durchgesetzt. Dies hat den Unternehmen neue Möglichkeiten eröffnet, erfordert gleichzeitig aber auch seitens der Unternehmen Selbstbeschränkung und Mobilisierung für die Interessen der sozialen Stabilität und des Allgemeinwohls in der modernen demokratischen Gesellschaft. Darüber hinaus spielen in der EU eine bessere Rechtsetzung und die Förderung der Unternehmenskultur eine vorrangige Rolle in der aktuellen europäischen Politik, wie von der Kommission in ihrem Jahresfortschrittsbericht 2006 zu Wachstum und Beschäftigung[2] bekräftigt wurde. Die Kommission hat sich der Förderung der Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Wirtschaft im Rahmen der neu ausgerichteten Lissabonner Partnerschaft für Wachstum und Beschäftigung verpflichtet. Im Gegenzug appelliert sie an die europäischen Unternehmen, öffentlich für nachhaltige Entwicklung, wirtschaftliches Wachstum und die Schaffung von Arbeitsplätzen einzutreten und ihr Engagement für CSR einschließlich der Zusammenarbeit mit anderen Stakeholdern zu intensivieren. Europa braucht mehr denn je aktive Unternehmer, positive Einstellungen zum Unternehmertum und Vertrauen in die Wirtschaft. Europa braucht ein allgemeines Klima, in dem Unternehmer nicht nur geachtet werden, weil sie gute Gewinne erzielen, sondern weil sie einen fairen Beitrag zur Lösung bestimmter gesellschaftlicher Probleme leisten.

Die Kommission möchte daher der sozialen Verantwortung der Unternehmen eine größere politische Außenwirkung verleihen, sie möchte anerkennen, was europäische Unternehmen in diesem Bereich bereits leisten, und sie dazu ermutigen, noch mehr zu tun. Da es bei CSR im Wesentlichen um ein freiwilliges Tätigwerden der Unternehmen geht, könnte sich ein Konzept, das zusätzliche Verpflichtungen und administrative Anforderungen an die Unternehmen beinhaltet, als kontraproduktiv erweisen und würde den Grundsätzen der besseren Rechtsetzung entgegenlaufen. Da die Unternehmen die Hauptakteure im Bereich CSR sind, ist die Kommission zu dem Schluss gelangt, dass sie ihre Ziele am besten durch eine engere Zusammenarbeit mit den europäischen Unternehmen erreichen kann. Sie erklärt daher ihre Unterstützung für die Schaffung eines Europäischen Bündnisses für CSR, ein Konzept, das auf Beiträgen von Unternehmen basiert, die aktiv die Förderung von CSR betreiben. Das Bündnis ist ein offenes Bündnis europäischer Unternehmen, und Unternehmen aller Größen sind aufgefordert, ihre Unterstützung zu bekunden. Unter dem politischen Dach des Bündnisses sollen neue oder bereits bestehende CSR-Initiativen von Großunternehmen, kleinen und mittleren Unternehmen und ihren Stakeholdern vereinigt werden. Es handelt sich nicht um ein Rechtsinstrument, das von den Unternehmen, der Kommission oder einer Behörde unterzeichnet werden müsste, sondern um ein politisches Verfahren zur Förderung der Verbreitung von CSR unter den europäischen Unternehmen.

Die Unterstützung für das neue Bündnis sollte als Kernelelement einer weiter gefassten Partnerschaft verstanden werden, die die Kommission mit allen für CSR engagierten Stakeholdern anstrebt. Dieser Mitteilung der Kommission sind mehrere Jahre der öffentlichen Diskussion und der Konsultation mit allen Stakeholdern vorausgegangen, insbesondere im Rahmen des EU-Stakeholder-Forums zu CSR, das 2004 seinen Abschlussbericht vorgelegt hat. Die Kommission misst dem Dialog mit und zwischen allen Stakeholdern nach wie vor allergrößte Bedeutung bei und schlägt vor, erneut in regelmäßigen Abständen Sitzungen des Stakeholder-Forums einzuberufen, um die Fortschritte im Bereich CSR in der EU laufend zu überprüfen.

2. CSR ZUR FÖRDERUNG EINES NACHHALTIGEN WACHSTUMS UND ZUR SCHAFFUNG VON MEHR UND BESSEREN ARBEITSPLÄTZEN

Nachhaltiges Wachstum und mehr und bessere Arbeitsplätze – dieser zweifachen Herausforderung muss die EU jetzt begegnen, um angesichts des globalen Wettbewerbs und einer alternden Bevölkerung den Fortbestand des Modells einer europäischen Gesellschaft, das auf Chancengleichheit, hoher Lebensqualität, sozialer Eingliederung und einer gesunden Umwelt aufbaut, zu sichern. Darum hat die Kommission zu einem Neubeginn für die Agenda von Lissabon aufgerufen, den sie im Februar 2005 durch die Partnerschaft für Wachstum und Beschäftigung und im Dezember 2005 durch die Erneuerung ihrer Strategie für nachhaltige Entwicklung auf den Weg brachte. Aus dem gleichen Grund wurde auf der informellen Tagung der Staats- und Regierungschefs von Hampton Court im Oktober 2005 gefordert, nach innovativen Antworten auf die Frage zu suchen, wie Europa unter Wahrung der europäischen Werte im globalen Wettbewerb bestehen kann.

Mit der überarbeiteten Strategie von Lissabon werden Wachstum und Beschäftigung in einer Weise gefördert, die in vollem Umfang mit der nachhaltigen Entwicklung, einem nach wie vor übergeordneten langfristigen Ziel der Europäischen Union, in Einklang steht. Den Unternehmen als den Antriebskräften für Wirtschaftswachstum, Schaffung von Arbeitsplätzen und Innovation kommt bei der Realisierung der Lissabonner Ziele und des Ziels der nachhaltigen Entwicklung eine Schlüsselrolle zu.

Europa braucht Unternehmen, die das tun, was sie am besten können: Produkte und Dienstleistungen mit einem gesellschaftlichen Mehrwert liefern, unternehmerisch denken und handeln und ihre Kreativität in Wertschöpfung und die Schaffung von Arbeitsplätzen umsetzen. Europa braucht jedoch nicht einfach nur Unternehmen, es braucht sozialverantwortliche Unternehmen, die ihren Teil der Verantwortung dafür, wie es um Europa bestellt ist, übernehmen. In ihrem Beitrag zur Frühjahrstagung des Rates im März 2005 erklärte die Kommission, CSR könne „ einen großen Beitrag zu einer nachhaltigen Entwicklung leisten und Europas Innovationspotenzial und Wettbewerbsfähigkeit steigern “[3]. In der Sozialagenda[4] kündigte die Kommission an, sie werde in Zusammenarbeit mit den Mitgliedstaaten und den Stakeholdern Initiativen zur weiteren Verbesserung der Entwicklung und der Transparenz von CSR vorlegen. In der überarbeiteten Strategie für nachhaltige Entwicklung[5] forderte die Kommission „ Unternehmensleiter und andere wichtige Akteure in Europa nachdrücklich auf, sich an einem Reflexionsprozess mit Politikern über die mittel- und langfristigen Maßnahmen im Hinblick auf Nachhaltigkeit zu beteiligen und umfassende unternehmerische Antworten zu präsentieren, die über die bestehenden gesetzlichen Mindestanforderungen hinausgehen “.

Im März 2005 betonte der Europäische Rat: „ Um Investitionen zu fördern und ein attraktives Umfeld für Unternehmen und Arbeitnehmer zu schaffen, muss die Europäische Union ihren Binnenmarkt vollenden und einen günstigeren Regelungsrahmen für die Unternehmen schaffen, die ihrerseits ihre soziale Verantwortung stärken müssen “ . In den Integrierten Leitlinien für Wachstum und Beschäftigung (2005-2008) empfahl der Rat, die Mitgliedstaaten sollten „ die Unternehmen zur Wahrnehmung ihrer sozialen Verantwortung anregen “. Das Europäische Parlament hat wertvolle Beiträge zur Diskussion über CSR geleistet, insbesondere in seinen Entschließungen von 2002[6] und 2003[7].

Vor diesem Hintergrund hat die Kommission die auf EU-Ebene zum Thema CSR durchgeführten Arbeiten überprüft, um ihre Vorgehensweise auf die Prioritäten und Arbeitsmethoden der Strategie für Wachstum und Beschäftigung abzustimmen. Nach Ansicht der Kommission kann und sollte das Potenzial der Unternehmen besser für die Unterstützung der nachhaltigen Entwicklung und der Wachstums- und Beschäftigungsstrategie nutzbar gemacht werden. Im Einklang mit dem Geist und den prioritären Bereichen ihres Jahresfortschrittsberichts 2006 über Wachstum und Beschäftigung fordert die Kommission die europäischen Unternehmen auf, „aufs Tempo zu drücken“ und sich stärker für CSR zu engagieren. Auf diese Weise möchte die Kommission günstigere Rahmenbedingungen für alle an CSR beteiligten Akteure schaffen und gemeinsam mit allen Stakeholdern untersuchen, in welchem Maße CSR die gesellschaftliche Entwicklung in Europa fördern kann.

CSR-Praktiken sind kein Allheilmittel, und es darf nicht erwartet werden, dass die Übernahme sozialer Verantwortung allein zu den gewünschten Ergebnissen führt. Sie sind kein Ersatz für politische Maßnahmen, können jedoch zu einer Reihe politischer Zielsetzungen beitragen. Dazu zählen:

- Stärker integrierte Arbeitsmärkte und ein höheres Niveau der sozialen Eingliederung, da die Unternehmen aktiv bestrebt sind, mehr Mitarbeiter aus benachteiligten Gruppen einzustellen.

- Investitionen in Kompetenzentwicklung, lebenslanges Lernen und Beschäftigungsfähigkeit, die notwendig sind, um in der globalen Wissensgesellschaft wettbewerbsfähig zu bleiben und das Problem der Alterung der Erwerbsbevökerung in Europa zu meistern.

- Verbesserungen im Bereich der öffentlichen Gesundheit als Ergebnis freiwilliger Initiativen der Unternehmen beispielsweise auf dem Gebiet der Vermarktung und Etikettierung von Nahrungsmitteln und nicht toxischen Chemikalien.

- Bessere Innovationsleistungen insbesondere dort, wo es um die Lösung gesellschaftlicher Probleme geht, dank einer engeren Interaktion mit externen Stakeholdern und der Schaffung eines die Innovation begünstigenden Arbeitsumfelds.

- Eine schonendere Nutzung natürlicher Ressourcen und ein geringeres Verschmutzungsniveau vor allem durch Investitionen in Öko-Innovation und die freiwillige Einführung von Umweltmanagementsystemen und Kennzeichnungssystemen.

- Ein positiveres Image von Unternehmen und Unternehmern in der Gesellschaft, damit sich eine positivere Einstellung gegenüber dem Unternehmertum entwickeln kann.

- Stärkere Achtung der Menschenrechte, des Umweltschutzes und grundlegender Arbeitsnormen insbesondere in den Entwicklungsländern.

- Bekämpfung der Armut und Fortschritte auf dem Weg zu den Millenniums-Entwicklungszielen.

3. EUROPA SOLL AUF DEM GEBIET DER SOZIALEN VERANTWORTUNG DER UNTERNEHMEN FÜHREND WERDEN

Seit der Europäische Rat von Lissabon im März 2000 an das soziale Verantwortungsbewusstsein der Unternehmen appelliert hat, sind im Bereich CSR erhebliche Fortschritte erzielt worden. Ein Grünbuch (2001)[8], eine Mitteilung (2002)[9] und die Einrichtung eines EU-Stakeholder-Forums zu CSR (CSR-Forum) markierten wichtige Etappen in diesem Prozess.

Das CSR-Forum hat Vertreter der Wirtschaft, der Gewerkschaften und der Zivilgesellschaft zusammengebracht, wobei die Kommission eine unterstützende Funktion ausübte. Die Kommission spricht der Arbeit des CSR-Forums und seinem Abschlussbericht vom Juni 2004 ihre Anerkennung aus und stimmt mit den Stakeholdern überein, dass die Empfehlungen des Berichts, wenn sie von den betroffenen Akteuren in vollem Umfang umgesetzt würden, dazu beitragen könnten, die Verbreitung von CSR in Europa und weltweit voranzutreiben. Dem Forum gelang es, zwischen Teilnehmern mit sehr abweichenden Ansichten einen gewissen Konsens herbeizuführen, es machte jedoch auch die erheblichen Meinungsunterschiede zwischen Vertretern der Wirtschaft und anderen Stakeholdern deutlich. Ein gemeinsames europäisches Verständnis dessen, was soziale Verantwortung der Unternehmen beinhaltet, hat sich herausgebildet auf der Basis der Definition der Kommission von CSR als einem Konzept, das den Unternehmen als Grundlage dient, um auf freiwilliger Basis soziale und ökologische Belange in ihre Unternehmenstätigkeit und in die Beziehungen zu den Stakeholdern zu integrieren . Das CSR-Forum hat diese Definition bestätigt und dabei ihren Geltungsbereich und ihre Grenzen genauer abgesteckt. Im Übrigen war sich das Forum einig darüber, dass weitere Sensibilisierungs- und Kompetenzaufbaumaßnahmen erforderlich sind. Keinen Konsens gab es hingegen in Fragen wie den Berichtspflichten der Unternehmen oder der Notwendigkeit europäischer Normen für CSR.

Die Sensibilisierung und das Verständnis für CSR und die Einführung von CSR-Praktiken haben sich in den vergangenenen Jahren verbessert, was zum Teil dem CSR-Forum und anderen von der Kommission unterstützten Maßnahmen zu verdanken ist. Gleichzeitig wurde die Entwicklung von CSR in Europa und weltweit durch Initiativen von Unternehmen und anderen Stakeholdern vorangetrieben. Der soziale Dialog vor allem auf sektoraler Ebene war ein effizientes Mittel zur Förderung von CSR-Initiativen, und auch Europäische Betriebsräte haben sich konstruktiv an der Entwicklung von vorbildlichen CSR-Verfahren beteiligt.

Dennoch sollte die Übernahme, Umsetzung und strategische Integration von CSR durch die europäischen Unternehmen weiter gefördert werden. Die Rolle der Arbeitnehmer, ihrer Vertreter und ihrer Gewerkschaften bei der Entwicklung und Umsetzung von CSR-Praktiken sollte weiter gestärkt werden. Externe Stakeholder, einschließlich Nichtregierungsorganisationen, Verbraucher und Investoren, sollten verstärkt aktiv werden, indem sie zu verantwortungsvollem unternehmerischem Handeln auffordern und dieses belohnen. Staatliche Stellen auf allen Ebenen sollten ihre Maßnahmen noch besser auf die Unterstützung der nachhaltigen Entwicklung, des Wirtschaftswachstums und der Schaffung von Arbeitsplätzen abstimmen.

Die langfristige Vision der EU von Wohlstand, Solidarität und Sicherheit erstreckt sich auch auf den internationalen Bereich. Die Kommission ist sich der Zusammenhänge zwischen der Einführung von CSR-Praktiken in der EU und auf internationaler Ebene bewusst, und sie ist der Ansicht, dass europäische Unternehmen sozialverantwortlich, unter Achtung der europäischen Werte und der international vereinbarten Normen und Standards handeln sollten, wo immer sie ihre Geschäfte tätigen.

Die Kommission hat Überlegungen darüber angestellt, auf welche Weise am besten neue Impulse gegeben werden könnten, um Europa auf dem Gebiet der sozialen Verantwortung der Unternehmen führend zu machen. Sie hat dabei sowohl den Abschlussbericht des CSR-Forums als auch die in den Bericht nicht eingegangenen Ansichten der Stakeholder berücksichtigt. Daher wurde versucht, ein neues Konzept zu finden, das mehr Unternehmen - die wichtigsten Akteure im Bereich CSR - dazu anregt, sich für CSR zu engagieren.

4. EIN EUROPÄISCHES BÜNDNIS FÜR CSR

Die Kommission unterstützt daher die Schaffung des Europäischen Bündnisses für CSR, wie es in der beigefügten Unterlage beschrieben wird. Unter dem politischen Dach des Bündnisses sollen neue oder bereits bestehende CSR-Initiativen von Großunternehmen, kleinen und mittleren Unternehmen und ihren Stakeholdern vereinigt werden.

Es ist ein offenes Bündnis, und die europäischen Unternehmen aller Größen sind aufgefordert, freiwillig ihre Unterstützung zu bekunden. Es handelt sich nicht um ein Rechtsinstrument, das von den Unternehmen, der Kommission oder einer Behörde unterzeichnet werden müsste. Die Erklärung über die Unterstützung des Bündnisses ist nicht an formale Anforderungen gebunden, und die Kommission wird keine Liste der Unternehmen führen, die es unterstützen. Der Beitrag der Kommission zu dem Bündnis wird in der weiteren Förderung von CSR im Einklang mit den in Kapitel 5 dieser Mitteilung aufgeührten Punkten bestehen. Dies beinhaltet keine neuen finanziellen Verpflichtungen für die Kommission.

Die Kommission erwartet sich von dem Bündnis einen maßgeblichen Einfluss auf die Einstellung der europäischen Unternehmen gegenüber CSR und auf ihr konstruktives Engagement für soziale und ökologische Anliegen. Das Bündnis soll zu neuen Partnerschaften mit den Stakeholdern führen und ihnen in ihren Bemühungen um die Förderung von CSR neue Chancen eröffnen. Insofern ist es ein Instrument zur Mobilisierung der Ressourcen und Kapazitäten der europäischen Unternehmen und ihrer Stakeholder. Das freiwillige Engagement der europäischen Unternehmen für das Bündnis und die Unterstützung, die die Kommission im Rahmen ihrer politischen Maßnahmen und Instrumente gewähren wird, wo immer dies geeignet erscheint, werden die Entwicklung von CSR innerhalb und außerhalb der EU vorantreiben. Die Ergebnisse des Bündnisses sollten als freiwilliger Beitrag der Unternehmen zum Erreichen der Ziele der neu ausgerichteten Strategie von Lissabon und der überarbeiteten Strategie für nachhaltige Entwicklung verstanden werden. Diese Ergebnisse werden indessen in hohem Maße auch vom Engagement der Stakeholder abhängen, die aufgefordert sind, die Möglichkeiten des Bündnisses in vollem Umfang auszuschöpfen.

Um Transparenz, Außenwirkung und Glaubwürdigkeit der CSR-Praktiken zu verbessern, fordert die Kommission die das Bündnis unterstützenden Unternehmen dazu auf, allen Stakeholdern, einschließlich Verbrauchern, Investoren und der breiten Öffentlichkeit, Informationen über CSR zur Verfügung zu stellen. Insbesondere Großunternehmen sollten bestrebt sein, CSR-Strategien und –Initiativen und deren Ergebnisse oder vorbildliche Lösungen in einer für die Öffentlichkeit leicht verständlichen Weise zu präsentieren. Im Übrigen wird die Kommission weiterhin die Stakeholder bei der Entwicklung ihrer Kapazitäten zur Einschätzuung und Bewertung von CSR-Praktiken unterstützen.

Die Kommission ist sich bewusst, dass CSR ohne die aktive Unterstützung und konstruktive Kritik seitens der externen Stakeholder keinen Erfolg haben kann. Die Unterstützung des Bündnisses durch die Kommission ist kein Ersatz für den weiteren Dialog mit allen Stakeholdern. Die Kommission ist nach wie vor der Förderung eines solchen Dialogs verpflichtet, unter anderem durch regelmäßige Überprüfungssitzungen des Stakeholder-Forums.

5. VORGESCHLAGENE MASSNAHMEN ZUR FÖRDERUNG DER VERBREITUNG VON CSR-PRAKTIKEN

Bei der weiteren Förderung von CSR wird die Kommission den Schwerpunkt auf folgende Aspekte legen:

- Sensibilisierung und Austausch von vorbildlichen Verfahren . Die Kommission wird die Sensibilisierung für CSR vorantreiben und den Austausch vorbildlicher Verfahren in dem Maße fördern, wie die Weiterentwicklung von CSR vorangeht, wobei das Schwergewicht auf den KMU, Mitgliedstaaten, in denen CSR weniger bekannt ist, und den Beitritts- und Bewerberländern liegen wird. Dies wird im Rahmen einer engeren Partnerschaft mit den Unternehmen und allen Stakeholdern, einschließlich der nationalen und regionalen Behörden, geschehen. Die Kommission wird weiter den freiwilligen Einsatz von Umweltinstrumenten wie etwa von Umweltmanagementsystemen oder dem Europäischen Umweltzeichen fördern. Weitere Initiativen, mit denen die Bürger für soziale und ökologische Themen und die Auswirkungen ihrer Verbrauchs- und Investitionsentscheidungen sensibilisiert werden sollen, werden ebenfalls gefördert.

- Unterstützung von Multi-Stakeholder-Initiativen . Durch die Einbeziehung der Stakeholder wird die Effizienz von CSR-Initiativen verbessert, darum wird die Kommission regelmäßige Überprüfungssitzungen des Stakeholder-Forums organisieren. Um stärker für CSR zu sensibilisieren und die Glaubwürdigkeit von CSR weiter zu verbessern, wird die Kommission auch weiterhin die CSR-Initiativen von Stakeholdern, einschließlich der Sozialpartner und Nichtregierungsorganisationen, insbesondere auf sektoraler Ebene fördern und unterstützen. Die Europäische Plattform für Ernährung ist ein gutes Beispiel für solche Initiativen. Auch die Ausschüsse für den sektoralen sozialen Dialog sind in diesem Zusammenhang ein wichtiger Mechanismus.

- Zusammenarbeit mit den Mitgliedstaaten . In Europa ist man sich weitgehend einig über die Definition von CSR, seine genaue Beschaffenheit und seine Merkmale sind indessen je nach den nationalen und kulturellen Gegebenheiten unterschiedlich. Zudem verfügen die Mitgliedstaaten über eine breite Palette von Instrumenten zur Förderung von CSR. Die Zusammenarbeit mit den Mitgliedstaaten und den Beitrittsländern, insbesondere über die aus hochrangigen Vertretern der Mitgliedstaaten zusammengesetzte CSR-Gruppe, ist daher ein wichtiger Aspekt der CSR-Politik der Kommission. Innerhalb der Mitgliedstaaten dürfte die regionale Ebene, vor allem soweit KMU beteiligt sind, die geeignete Ebene für Maßnahmen zur Förderung von CSR sein.

- Verbraucherinformation und Transparenz . Die Verbraucher spielen eine wichtige Rolle, wenn es darum geht, Anreize für eine verantwortungsvolle Produktion und verantwortungsbewusstes unternehmerisches Handeln zu geben. Von ihnen wird erwartet, dass sie eine kritische Wahl treffen und ‚gute’ Erzeugnisse und ‚gute’ Unternehmen bevorzugen. Gegenwärtig fehlt es den Verbrauchern noch an klaren Informationen über die sozialen und ökologischen Leistungen von Waren und Dienstleistungen sowie an Informationen über die Lieferkette. Die Kommission wird im Einvernehmen mit allen betroffenen Stakeholdern untersuchen, inwieweit weitere freiwillige Maßnahmen erforderlich sind, um die Ziele Transparenz und Verbraucherinformation zu verwirklichen, auch im Hinblick auf Fragen der öffentlichen Gesundheit.

- Forschung . Es besteht ein Bedarf an mehr interdisziplinärer Forschung über CSR, insbesondere über: die Zusammenhänge zwischen CSR, Wettbewerbsfähigkeit und nachhaltiger Entwicklung auf Makro- und Meso-Ebene, die Effizienz von CSR bei der Realisierung sozialer und umweltpolitischer Ziele, und Themen wie Innovation, Corporate Governance, Beziehungen zwischen den Sozialpartnern oder Lieferkette. CSR, wie sie von den KMU praktiziert wird, ist bereits ein wichtiges eigenständiges Forschungsthema, sollte jedoch auch in anderen Bereichen der CSR-Forschung angemessen berücksichtigt werden. Darüber hinaus sollten auch die sozialen Auswirkungen von Verfahren, Produkten und Dienstleistungen auf den Lebenszyklus eingehender untersucht werden. Aufbauend auf den vier aus dem 6. Forschungsrahmenprogramm finanzierten CSR-Forschungsvorhaben wird die Kommission Möglichkeiten zur weiteren Erforschung von CSR im Rahmen des bevorstehenden 7. Forschungsrahmenprogramms prüfen.

- Bildung . Damit CSR in den Unternehmen zur gängigen Praxis werden kann, gilt es bei den zukünftigen Unternehmern, Führungskräften, Managern und Angestellten die entsprechenden Kenntnisse und Fähigkeiten zu entwickeln. CSR gehört zudem zum Thema Lebenslanges Lernen. Die Kommission fordert Business Schools, Hochschulen und andere Bildungseinrichtungen auf, CSR und damit zusammenhängende Themen sektorübergreifend in ihre Lehrpläne aufzunehmen, insbesondere in die Ausbildung zukünftiger Führungskräfte und das Graduiertenstudium.

- KMU . Die Auswirkungen der in den KMU praktizierten CSR sind in ihrer Gesamtheit von entscheidender Bedeutung, wenn der potenzielle Beitrag von CSR zu Wachstum und Beschäftigung sowie zur nachhaltigen Entwicklung in Europa in vollem Umfang nutzbar gemacht werden soll. Die Kommission ist sich dessen bewusst, dass für die Förderung von CSR in den KMU ein spezifisches Konzept benötigt wird. Ein solches Konzept verlangt eine bessere Anerkennung dessen, was viele KMU im Bereich CSR bereits leisten. Es erfordert außerdem die aktive Zusammenarbeit der wichtigsten KMU Mittlerorganisationen und Unterstützungsdienste. Die Kommission wird den Austausch von Erfahrungen darüber, wie CSR in den europäischen KMU am besten vorangetrieben werden kann, fördern.

- Die internationale Dimension von CSR . Die Kommission wird CSR weiterhin auch auf globaler Ebene fördern, um den Beitrag der Unternehmen zur Verwirklichung der Millenniums-Entwicklungsziele der UN zu optimieren. Die Trilaterale Grundsatzerklärung der IAO zu multinationalen Unternehmen und zur Sozialpolitik, die OECD-Leitlinien für multinationale Unternehmen und der UN Global Compact setzen ebenso wie andere Referenzinstrumente und -initiativen internationale Benchmarks für verantwortungsbewusstes unternehmerisches Handeln. Die Kommission will die Sensibilisierung für diese Instrumente und ihre Anwendung fördern und wird mit den Regierungen anderer Länder und mit Stakeholdern zusammenarbeiten, um ihre Effizienz zu verbessern.

Die Kommission wird ihre führende Rolle bei der Förderung hoher Umweltstandards auf internationaler Ebene weiterhin wahrnehmen. Ihr Ziel ist es, die Dimension der nachhaltigen Entwicklung in bilateralen Handelsverhandlungen zu stärken und die Förderung von grundlegenden Arbeitsnormen in bilateralen Abkommen voranzutreiben. Die Kommission wird sich für die Einbeziehung von Bestimmungen über die Förderung international vereinbarter CSR-Instrumente einsetzen und versuchen, im bilateralen Dialog zwischen den Verhandlungsparteien CSR-Fragen anzusprechen. Die Kommission befürwortet außerdem den Einsatz von Handelsvergünstigungen als Mittel, zur Einhaltung der wichtigsten internationalen Übereinkommen über Menschen- und Arbeitnehmerrechte, Umweltschutz und die Grundsätze einer verantwortungsvollen Staatsführung anzuregen, vor allem im Rahmen des am 1. Januar 2006 in Kraft getretenen neuen „Allgemeinen Präferenzsystems“ („ASP+“) der EU. Die Kommission wird ihre Zusammenarbeit mit der IAO zur Förderung menschenwürdiger Arbeit intensivieren, unter anderem durch ein Pilotprojekt über Indikatoren für Handel und menschenwürdige Arbeit in den Entwicklungsländern. Ferner wird die Kommission im Laufe des Jahres 2006 eine Mitteilung über menschenwürdige Arbeit vorlegen.

Die Kommission wird mit Partnerländern und Stakeholdern erörtern, wie CSR im Rahmen des Abkommens von Cotonou und der Neuen Afrika-Strategie[10] gefördert werden kann, und wird vorschlagen, dieses Thema auf dem Wirtschaftsforum EU-Afrika im Herbst 2006 zur Sprache zu bringen.

Die Kommission wird weitere relevante internationale Prozesse beobachten, etwa die Arbeiten des UNO-Sonderbeauftragten für Menschenrechte und transnationale Konzerne und andere Wirtschaftsunternehmen, die mögliche Erarbeitung einer ISO-Norm bzw. eines Leitfadens zur sozialen Verantwortung oder sektorale Initiativen wie etwa das Zertifikationssystem des Kimberley-Prozesses für den internationalen Handel mit Rohdiamanten.

6. SCHLUSSFOLGERUNG: EINE PARTNERSCHAFT ZWISCHEN ALLEN STAKEHOLDERN IST NOTWENDIG

Die Kommission ist der Auffassung, dass CSR jeden einzelnen Europäer angeht, denn die soziale Verantwortung der Unternehmen ist Bestandteil des europäischen Sozialmodells. CSR kann dazu beitragen, die Ziele der nachhaltigen Entwicklung zu erreichen, während gleichzeitig das Innovationspotenzial und die Wettbewerbsfähigkeit Europas gestärkt werden, was auch der Beschäftigungsfähigkeit und der Schaffung von Arbeitsplätzen zugute kommt. Die weitere Förderung von CSR ist ein Kernelement sowohl in der neuen Partnerschaft für „Wachstum und Beschäftigung“ als auch bei der Realisierung der Ziele der nachhaltigen Entwicklung. Die Kommission appelliert an alle Beteiligten, zur Umsetzung dieser ehrgeizigen neuen Initiative beizutragen. Die Kommission bietet den Mitgliedstaaten, den Unternehmen (über das im Anhang beschriebene Bündnis) und allen beteiligten Stakeholdern eine enge partnerschaftliche Zusammenarbeit an, damit Europa auf dem Gebiet der sozialen Verantwortung der Unternehmen führend wird, denn CSR spiegelt die Grundwerte der EU selbst wider. Die Kommission wird die Entwicklung von CSR in Europa in einem Jahr im Anschluss an die Erörterungen im Multi-Stakeholder-Forum neu bewerten.

ANHANG

Europa soll auf dem Gebiet der sozialen Verantwortung der Unternehmen führend werden:

Das Europäische Bündnis für CSR

CSR geht uns alle an

Die soziale Verantwortung der Unternehmen (Corporate Social Responsibility - CSR) betrifft uns, weil sie die zentralen Werte der Gesellschaft widerspiegelt, in der wir leben wollen. Sie betrifft die Unternehmen – große ebenso wie kleine -, weil sie es ihnen ermöglicht, ihre Leistungsfähigkeit auf ökonomischem, ökologischem und sozialem Gebiet dank innovativer Produkte und Dienstleistungen, neuer Kompetenzen und des Engagements der Stakeholder kurz- und langfristig zu verbessern. Sie betrifft diejenigen, die in und für Unternehmen arbeiten, weil sie dazu beiträgt, dass deren Arbeitsumfeld attraktiver und bereichernder wird. Sie betrifft die Kunden der Unternehmen, die Verbraucher, die ihre Kaufentscheidungen zunehmend auch unter sozialen und ökologischen Gesichtspunkten treffen. CSR betrifft die Bevölkerung am Standort von Unternehmen, die daran interessiert ist, dass die Unternehmen in ihrer Nachbarschaft ihre Wertvorstellungen und Bedenken teilen. Sie betrifft die Investoren, die der Ansicht sind, dass verantwortungsbewusstes unternehmerisches Handeln gefördert werden muss. Sie betrifft die Menschen in anderen Teilen der Welt, die erwarten, dass Unternehmen aus Europa die europäischen und internationalen Werte und Grundsätze zur Richtschnur ihres Handelns machen. Und CSR betrifft auch unsere Kinder und die künftigen Generationen, die in einer Welt leben wollen, in der der Mensch und die Natur geachtet werden.

Das Ziel: eine nachhaltige Marktwirtschaft

Das nachdrückliche Engagement der Unternehmen für ihre soziale Verantwortung und eine generell befürwortende Haltung des Staates zu CSR sind im Laufe der letzten 15 Jahre besonders wichtig geworden, denn CSR leistet einen Beitrag zur Achtung der Menschenrechte, zur Rechtsstaatlichkeit und zum nachhaltigen Funktionieren von Demokratie und Marktwirtschaft, und zwar auf lokaler, nationaler, europäischer und globaler Ebene. Wenn die Marktwirtschaft als Wirtschaftsmodell erfolgreich sein soll, müssen einige Grundlagen unbedingt gegeben sein: zum einen ein wirksamer und kohärenter rechts- und ordnungspolitischer Rahmen, zum anderen Selbstbeschränkung und Selbstkontrolle sowie ein proaktives Klima der Innovation und der unternehmerischen Initiative, der Fairness und des Vertrauens: All das sind Voraussetzungen, wenn wirtschaftlicher Erfolg mit Umweltschutz, sozialem Zusammenhalt und Wohlfahrt auf hohem Niveau einhergehen soll. Damit dieses Ziel erreicht wird, durchlaufen die führenden Unternehmen in Europa derzeit stärker als jemals zuvor einen Prozess des Suchens, Lernens und der Innovation auf den Gebieten Governance, Management, Dialog mit den Stakeholdern und Produktentwicklung, mit der Folge, dass CSR und Produktverantwortung zu einem natürlichen Bestandteil ihres unternehmerischen Alltags und ihrer Wettbewerbsfähigkeit werden. Auch wenn sie ihrer sozialen Verantwortung häufig eher informell und intuitiv gerecht werden, ist das CSR-Potenzial der kleinen Unternehmen, denen in Europa bei der Schaffung von Wachstum und Arbeitsplätzen eine Schlüsselfunktion zukommt, genauso groß wie das der Großunternehmen. Vor dem Hintergrund der Globalisierung und des damit einhergehenden Strukturwandels stellen sich die Unternehmen diesen Veränderungen in der Erwartung, dass die anderen Stakeholder sich ebenfalls engagieren und ihren Teil der mit Verantwortung und Innovation verbundenen Risiken und Chancen übernehmen. Der Dialog mit den Stakeholdern ermöglicht es den Unternehmen, sich auf die sozialen und ökologischen Herausforderungen einzustellen, die sich in Zukunft auf ihre Wettbewerbsfähigkeit auswirken könnten.

Ein Europäisches Bündnis für CSR

Vor diesem Hintergrund unterstützt die Europäische Kommission Angehörige der Wirtschaft, die den Grundstein für ein Europäisches Bündnis für CSR legen. Diesem Bündnis können alle Unternehmen angehören, die das gleiche ehrgeizige Ziel haben, das Ziel nämlich, dass Europa im Interesse wettbewerbs- und zukunftsfähiger Unternehmen und einer nachhaltigen Marktwirtschaft auf dem Gebiet der sozialen Verantwortung der Unternehmen führend werden soll. Bei dem Bündnis für CSR geht es in erster Linie um Partnerschaft. Die Grundlage dieser Partnerschaft ist die gemeinsame Überzeugung, dass die vorrangigen Ziele der Europäischen Strategie für Wachstum und Beschäftigung die beste Antwort auf die Herausforderungen eines zunehmenden globalen Wettbewerbs, der demografischen Entwicklung und einer nachhaltigen Zukunft sind.

Vom Erfolg dieser Strategie wird es abhängen, inwieweit in Europa ein nachhaltiges Wachstum gewährleistet und die europäische Lebensform bewahrt werden kann. Das Bündnis basiert auf der Überzeugung, dass CSR einen Beitrag zu nachhaltiger Entwicklung leisten kann, und dass sie, da sie das Innovationspotenzial und die Wettbewerbsfähigkeit Europas stärkt, auch der Beschäftigungsfähigkeit der Arbeitskräfte und der Schaffung von Arbeitsplätzen zugute kommt. Das Bündnis soll verdeutlichen, dass CSR für die Unternehmen eine Chance bedeutet, von der sie und die Gesellschaft gleichermaßen profitieren, und es erkennt an, dass CSR ein freiwilliges unternehmerisches Handeln darstellt, im dem das vielfältige Erscheinungsbild der europäischen Unternehmen zum Ausdruck kommt. Ihre Hauptakteure sind zwar die Unternehmen, doch spielen die Behörden auf lokaler, nationaler und europäischer Ebene bei der Förderung von CSR ebenfalls eine wichtige Rolle. Das Bündnis für CSR ist das Ergebnis von Gesprächen mit den Unternehmen und Stakeholdern, nicht zuletzt im Rahmen des EU-Stakeholder-Forums zu CSR, das die Europäische Kommission ins Leben gerufen hatte. Dieses Forum bot europäischen Vertretern der Unternehmen, der Arbeitgeber, der Gewerkschaften und der Zivilgesellschaft die Möglichkeit zu einem innovativen Prozess des Lernens und des Dialogs und zur Ausarbeitung von Empfehlungen für ein aktiveres und wirksameres CSR-bezogenes Handeln. Des Weiteren stützt sich das Bündnis auf die Ergebnisse der europäischen Kampagne zur Förderung von CSR in KMU und einer Vielzahl anderer Initiativen der Unternehmen und der Arbeitgeber. Wichtige Impulse erhielt das Bündnis ebenfalls durch den „Europäischen CSR-Fahrplan für Unternehmen - 2010“ (European Roadmap for Businesses on CSR – 2010), in dem führende Unternehmen und Unternehmensnetze ihre Vision von wettbewerbsfähigen und nachhaltigen Unternehmen und ihre diesbezüglichen Prioritäten aus europäischer Sicht darlegen.

Das Bündnis bildet die Grundlage für die künftige Förderung von CSR seitens der Bündnispartner. In seinem Mittelpunkt stehen die folgenden drei Tätigkeitsfelder:

- Sensibilisierung für CSR, Verbesserung der diesbezüglichen Kenntnisse und Bericht über die erzielten Erfolge

- Unterstützung bei der Implementierung von CSR und Bildung von offenen Kooperationsgemeinschaften

- Schaffung eines CSR-freundlichen Umfelds

Sensibilisierung für CSR, Verbesserung der diesbezüglichen Kenntnisse und Bericht über die erzielten Erfolge

Das Bündnis wird kreative Formen des Austauschs und der Verbreitung von vorbildlichen Lösungen, Initiativen und Instrumenten im Bereich CSR ermitteln und unterstützen, damit diese Lösungen, Initiativen und Instrumente für die Akteure in den Unternehmen, die politischen Entscheidungsträger, die Verbraucher, die Investoren und die breite Öffentlichkeit in Europa und in anderen Ländern interessant werden. Dabei wird vor allem darauf geachtet werden, dass CSR in Unternehmen aller Größenklassen auf eine Art und Weise propagiert wird, die den derzeitigen und den künftigen Gegebenheiten und Herausforderungen besser Rechnung trägt.

Das Bündnis bekräftigt erneut, dass multidisziplinäre Forschungsarbeiten über CSR auf europäischer Ebene, vor allem über ihre Auswirkungen auf Wettbewerbsfähigkeit und nachhaltige Entwicklung, aufbauend auf bereits bestehenden Initiativen weiter gefördert werden müssen. Eine engere Zusammenarbeit mit den Hochschulen und wissenschaftlichen Experten ist in diesem Zusammenhang ebenso unverzichtbar wie der kontinuierliche Dialog und die Kooperation mit der Zivilgesellschaft.

Wenn der Bildungssektor bei der Förderung und Verbreitung von CSR eine führende Rolle übernimmt, kann er einen wichtigen Beitrag zu einem wettbewerbsfähigen und nachhaltigen Europa leisten. Das Bündnis wird sich dafür einsetzen, dass der Themenkomplex CSR und nachhaltige Entwicklung in die traditionellen Bildungsgänge, die Ausbildung zukünftiger Führungskräfte, das Graduiertenstudium und die Lehrpläne anderer Bildungseinrichtungen Eingang findet.

Unterstützung bei der Implementierung von CSR und Bildung von offenen Kooperationsgemeinschaften

Angesichts des bereichsübergreifenden Charakters von CSR und des vielfältigen Erscheinungsbilds der europäischen und der internationalen Unternehmenslandschaft haben die Bündnispartner mehrere vorrangige Aktionsbereiche abgesteckt:

- Förderung der Innovation und der unternehmerischen Initiative im Bereich nachhaltiger Technologien, Waren und Dienstleistungen, die gesellschaftlichen Notwendigkeiten Rechnung tragen

- Unterstützung der erfolgreichen Entwicklung und des Wachstums von KMU

- Unterstützung der Unternehmen, vor allem derjenigen der Lieferkette, bei der Einbeziehung sozialer und ökologischer Überlegungen in das unternehmerische Handeln

- Verbesserung und Ausbau von Qualifikationen im Interesse einer besseren Beschäftigungsfähigkeit der Arbeitskräfte

- Besseres Handeln angesichts der Diversity-Erfordernisse und der Herausforderung der Chancengleichheit unter Berücksichtigung der demografischen Entwicklung und des raschen Alterns der europäischen Bevölkerung

- Verbesserung der Arbeitsbedingungen, auch in Zusammenarbeit mit der Lieferkette

- Innovation im Umweltbereich, mit Schwerpunkt auf der Einbeziehung von Ökoeffizienz und Energieeinsparungen in den Prozess der Produktentstehung

- Förderung eines proaktiven Dialogs und der Einbeziehung aller Stakeholder

- Verbesserung von Transparenz und Kommunikation, damit die nicht-finanzielle Performance von Unternehmen und Organisationen für alle Stakeholder besser verständlich und stärker im Zusammenhang mit der finanziellen Performance gesehen wird

- Förderung eines sozial und ökologisch verantwortlichen Handelns der Unternehmen nicht nur innerhalb, sondern auch außerhalb der Grenzen der EU

In diesen vorrangigen Aktionsbereichen werden „offene Kooperationsgemeinschaften“ von interessierten Unternehmen gebildet, die bereit sind, diese Themen in „Labortreffen“ anzugehen, um in einer Partnerschaft mit Fachleuten und Stakeholdern und mit Unterstützung der Europäischen Kommission gemeinsame operative Projekte zu entwickeln.

Schaffung eines CSR-freundlichen Umfelds

Mit der neuen Europäischen Strategie für Wachstum und Beschäftigung und der Initiative der EU-Kommission für eine bessere Rechtsetzung haben sich die Europäische Kommission und die EU-Mitgliedstaaten zur Schaffung und zur Stärkung eines unternehmensfreundliches Umfelds verpflichtet, in dem Unternehmer und Unternehmen erfolgreich handeln und wachsen können.

Darüber hinaus wird die Europäische Kommission freiwillige und innovative CSR-Maßnahmen der Unternehmen verstärkt dadurch fördern, dass sie vorbildliche Lösungen und deren Verbreitung im Rahmen einer intensiveren Partnerschaft mit den Unternehmen, allen Stakeholdern und den nationalen Behörden unterstützt und der Förderung von CSR in allen Politikbereichen konsequent Rechnung trägt. Damit ihr gemeinsames Projekt Erfolg hat, werden sich die Bündnispartner die Erfahrungen mit ähnlichen Bündnissen auf nationaler Ebene zunutze machen und in den Ländern, in denen ein Interesse daran besteht, vergleichbare Initiativen unterstützen. Das Bündnis für CSR befürwortet Überprüfungssitzungen aller Stakeholder, deren erste Ende 2006 stattfinden soll und auf denen eine Bestandsaufnahme der Fortschritte bei der Umsetzung der Empfehlungen des EU-Stakeholder-Forums zu CSR und sonstiger Trends, Entwicklungen und Innovationen im Bereich CSR erfolgen sollte.

Fazit und weitere Schritte

Engagement, gegenseitiges Vertrauen und Dialog sind für den Erfolg des Bündnisses für CSR unabdingbar. Das Bündnis wird das sein, was seine Partner aus den vereinbarten Initiativen und vorrangigen Aktionsbereichen machen. Die Partner kommen überein, dass sich das Bündnis in Koordinierungs- und Kommunikationsangelegenheiten auf die bestehenden unternehmensseitigen Strukturen im Bereich CSR stützt. Die Bündnispartner kommen ferner überein, auf hochrangigen Treffen Bestandsaufnahmen durchzuführen und die Ergebnisse des Bündnisses im Zusammenhang mit der Europäischen Strategie für Wachstum und Beschäftigung mitzuteilen.

Es ist an der Zeit, dass Europa auf dem Gebiet der sozialen Verantwortung der Unternehmen führend wird. Deshalb wird das Bündnis für CSR ins Leben gerufen.

[1] KOM(2001) 366.

[2] KOM(2006) 30.

[3] KOM(2005) 24.

[4] KOM(2005) 33.

[5] KOM(2005) 658.

[6] P5_TA(2002)0278

[7] P5_TA(2003)0200

[8] KOM(2001) 366.

[9] KOM(2002) 347.

[10] KOM(2005) 489.